Oder auch „wie lerne ich extreme Toleranz“.
Dieser Tage gab es ein Zusammentreffen einiger Mütter, die wohl unterschiedlicher nicht sein könnten. Und ich kam mir irgendwann vor wie ein bunter Papagei unter Amseln. Ich nehme mir sicherlich nicht das Recht raus zu behaupten, alles perfekt zu machen. Das kann ich nicht, da ich es ja nur für uns versuche und das nie auf andere Eltern oder Kinder übertragbar ist. Aber was ich gestern gesehen und gehört habe, hat mich wirklich am Verstand anderer zweifeln lassen.
Familie A / Vater, Mutter und anderthalbjähriges Kind: Sie erzählt mir sehr stolz, dass sie 6 Monate gestillt hat – danach wollte das Kind nicht mehr. Ist klar… Nicht, dass ich es nicht toll fände, dass die Mutter das wirklich so lange gemacht hat, aber warum sagt sie nicht ehrlich, dass sie dann nicht mehr wollte?
Dann, etwas später, ging es darum, dass die Kinder grade ihre Trotzphase haben und gerne Sachen haben wollen, die sie nicht dürfen. Da sagt sie mir tatsächlich, dass ihr Kind dann halt mal ein paar auf die Finger bekommt. Ich meinte dann nur, dass unser Sohn nicht geschlagen wird. Sie hat ihre Aussage versucht zu entschärfen, es wäre ja nur ein Klaps auf die Finger. Ich habe dann nochmal mit Nachdruck gesagt, dass man ein Kind nicht schlägt, aber für sie war das einfach nur „Einstellungssache“.
Ne, für mich geht das mal gar nicht. Ein Kind schlägt man nicht und basta. Das ist respektlos…
Und dass die Eltern den ganzen Nachmittag ein Bier nach dem anderen getrunken haben passt da ja irgendwie auch ins Bild…
Das zweite Kind, gerade ein halbes Jahr alt, wurde mit Kuchen gefüttert, bekommt aber nur hin und wieder mal Brei. Wie gut, dass das Kind keinen Kuchen wollte, so blieb es bei einem Löffel. Wie kann man einem Säugling Käsekuchen geben?
Weiter geht es damit, dass wirklich alle Kinder Limo getrunken haben. Und die waren alle zwischen anderthalb und zwei. Muss das sein? Müssen Kleinstkinder wirklich Limo trinken? Tuts denn kein Wasser?
Zum Glück war unser Sohn davon völlig unbeeindruckt und hat lieber Wasser getrunken.
Irgendwann kam ich mir wirklich vor, wie im falschen Film. Bin ich eine Übermutter, weil mein Sohn keinen „Klaps auf die Finger“ bekommt, keine Limo trinken darf, erst zum ersten Geburtstag Kuchen bekommen hat und er länger als 6 Monate gestillt wurde? Hilfe…

Also für mich bist deswegen keine Übermutter, Glucke oder bunter Vogel. Das sind auch für mich völlig normale Sachen. Meine Schwester hat ihrer Tochter mit einem halben Jahr auch schon Schlagsahne, Gummibärchen und Sahnetorte gefüttert. Von Anfang an gab es bei ihr auch nur solchen Instantbabytee. Die Kleine lehnt Wasser völlig ab und ich bin gemein, weil unser Zwerg nur Wasser bekommt. Und keinen Kuchen, bevor er nicht 1 Jahr alt war. Und keinen anderen Süßkram mal zwischendurch. Wir übertreiben es nicht. Trotzdem hab ich es ziemlich schwer unseren Standpunkt zu vertreten. Weil eben meine kleine Nichte (10 Monate älter als Benedikt) das eben schon alles durfte und ich es noch verbiete.
Wenn ich Eltern sehe, die ihr Kind schlagen, frag ich immer, ob sie das mit ihrem Partner auch machen, wenn er sich nicht wie gewünscht verhält. Da gibts immer ganz erstaunte Blicke und ein entrüstetes „Nein“. Dann noch ein „Achso, Kinder schlagen ist einfacher, weil sie wehrlos sind. Verstehe.“ hinterher und hoffen, dass es verstanden wurde und drüber nachgedacht wird.
Liebe Grüße von Trueffel
Stillen, Limo, Käsekuchen… ich glaube, ich hätte mich auch ganz schwer zusammen reißen müssen, dazu nichts zu sagen. Mir geht das bei uns im Kiga so. Mein Sohn ist ein Jahr, die anderen Kinder in seiner Gruppe sind gleichaltrig. Und wenn ich sehe, was die Kleinen zum Vesper von ihren Eltern mit bekommen: Frucht.zwerge, Han.uta, Schokopudding usw. ich könnte jedesmal dazwischen springen und ihnen das wegnehmen. Doch vielmehr mache ich mir Sorgen um meinen Sohn, das er das demnächst auch alles haben will…